Die Grundlagen erwarb sie an der Musikakademie im heimatlichen Zagreb, sie studierte dann aber sowohl in Moskau (am Tschaikowsky Konservatorium) wie in den USA (University of Massachusetts) und in Deutschland (Musikhochschule Detmold). Auf diese Weise mit den verschiedensten Techniken und Auffassungen vertraut, gewann sie schon 1995 den „Concours international de jeunes concertistes de Douai“ in Frankreich und musizierte mit den bedeutendsten Musikern der Kammermusik, insbesondere mit Vertretern der besten Streichquartette, vom Brodski und Brandis bis zum Orlando, Melos oder Alban Berg Quartett. Ihre eigenen Einspielungen der Sonaten von Schostakowitsch und Schnittke wurden hoch gelobt und die Einspielung der Serenaden von Martinu wurde 1998 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Valcics Vielseitigkeit und die damit verbundene Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten führte sie zum „radio.string.quartet.vienna“ und das Projekt Radiotree auch zum Akkordeonisten Klaus Paier. Dass sich auf diesem Weg ein ideales Duo gefunden hat, das beweist nun À Deux (ACT Music). Selten hat ein Instrument ein anderes, eine Form die andere, ein Stil den anderen so perfekt ergänzt. Valcic alleine klingt manchmal wie ein komplettes Streichquartett, so furios wie flexibel spielt sie das Cello: Mal mit eleganten Linien, mal extrem rhythmisch, mal gezupft, mal angeschlagen, mal einfach als Perkussionsinstrument eingesetzt.
Das Thema kommt stets von Klaus Paier, inzwischen weltweit einer der wichtigsten Grenzgänger zwischen den musikalischen Welten und ein bedeutender Komponist. Es ist interessant, dass Paier die großen Pianisten und Bassisten des jazz, von Thelonious Monk und Keith Jarrett bis Charles Mingus, als wichtigste Inspirationsquelle für die Entwicklung seines eigenen Akkordeonspiels nennt. Gleich danach kommt Dino Saluzzi, der ihn in die Geheimnisse des Tango Nuevo und des Bandoneons einwies. Stilistische Freiheit ist also Paiers Generalthema: Schon während des Akkordeon-, Jazz- und Kompositionsstudiums am Klagenfurter Konservatorium experimentierte er nebenher unablässig mit Klassik und zeitgenössischer Musik.
„Der Klang hatte für mich immer Priorität“, sagt Paier. Weshalb er vom achten Lebensjahr an versuchte, dem Akkordeon die typische Unschärfe in der Phrasierung und die erdrückende Dichte auszutreiben. Was ihm mit einer spezifischen Koordination des Balges und eigens darauf abgestimmten Arrangements gelang. Und so findet sich heute bei allen seinen Projekten ein eigener Ton, eine eigene Sprache, die ihm erst den typischen, vor Einfallsreichtum platzenden Stilmix ermöglicht.
Im Duo mit dem vielgestaltigen Cello von Asja Valcic bietet sich Paier nun die perfekte Möglichkeit, alle Facetten seiner musikalischen Persönlichkeit auszuspielen: Vom klassischen („Argentino“) bis zum wilden Tango Nuevo („Tango loco“); von Musette-Klängen („La Pirouette“) und volksliedartigem („Singing Bird“) bis zu Osteuropäischem „Seven 4“); und von Klassik-Anklängen („Menuet“) bis zu jazzigen Improvisationen („À deux“).
Auf À Deux öffnen sich Türen, die nicht nur den Instrumenten Akkordeon und Cello bislang meist verschlossen waren.